Eine moslemischen Familie hatte Interesse an den Dossenheimer Kirchen bekundet. So lud ich zusammen mit Jane aus der Kirchengemeinde am Freitag, den 6.11.2015, zu einer Führung durch die katholische Kirche ein. Muslime und Christen waren gleichermaßen willkommen, eine Führung für alle Interessierten eben. Michael, Maike und Kyra unterstützten uns beim Abholen. Und das war gut so.  Als wir uns nämlich vor der Kirche versammelten, zählte ich um die 50 Erwachsene und zahlreiche Kinder. Mit so vielen hatten wir nicht gerechnet!

In der Kirche stießen auch noch einige wenige Dossenheimer zur Führung, die der Einladung gefolgt waren.

kirche

Was waren wir froh, dass unsere Erklärungen, die wir auf Englisch abgaben, auf Arabisch übersetzt wurden. Eine langjährige Dossenheimerin, ehemals aus Syrien stammend, Hanadi, hatte sich spontan dazu bereit erklärt. Noch froher waren die interessierten Syrer, die Infos in ihrer Muttersprache zu hören und Fragen stellen zu können.

Für die Familien aus Albanien, Serbien und Bosnien hatten wir leider keinen Übersetzer dabei. Im Nachhinein hätte ich es mir für sie gewünscht.

Alle nutzten die Gelegenheit, sich im Innenraum der Kirche frei zu bewegen und viele Fotos zu machen (auf Anfrage, ob sie das dürften). Einige Kinder kannten vom Sonntagsgottesdienstbesuch bereits das Ritual, Kerzen anzuzünden. So zielten sie sofort und ungefragt die Kerzenständer an,um zig Kerzen anzuzünden: Ein warmes Lichtermeer im Halbdunkel der Kirche.

Viele Infos und Fragen wurden ausgetauscht, auch ging es um die Gemeinsamkeiten der Religionen. Schließlich lebten die meisten Syrer in einem friedlichen Miteinander der Religionen in ihrer Heimat. Ein Syrer erzählte mir auf dem Weg: “Bei uns herrscht kein Krieg zwischen Islam und Christentum. Bei uns ist es ein Krieg zwischen Islam und Islam.”

So ging ein verständiges Raunen durch die Menge, als ich die Statue des Völkerapostels Paulus am Hochaltar erwähnte, alle wussten, dass er sich in Damaskus, ihrer Heimatstadt, aufhielt.

Nach einer Stunde “geschäftigem Treiben” in der Kirche – manche waren früher gegangen –  versammelten wir uns zu einem Gedenken für die Angehörigen in der Heimat an den leuchtenden Kerzen zu einer Schweigeminute. Was vorher unvorstellbar war, trat ein: Große Stille!

Als wir uns verabschiedeten, waren wir uns einig: Es war gut, das Experiment gewagt zu haben. Syrische Kinder “klebten” mit ihren Fragen und Erzählungen an der Übersetzerin bis ins Dorf hinunter. “Du musst mit uns kommen”, bettelten sie. Endlich gab es mal wieder Input und Austausch in der Muttersprache.

Kirchenführung „St. Pankratius“