Das erste gemeinsames Treffen der ehrenamtlichen Helfer/innen und der Asylbewerber/innen war im Martin-Luther-Haus am 15. Oktober 2015

Für 17 Uhr war eingeladen, gerichtet war für rund 160 Gäste, der Andrang war groß. Dossenheimer wie auch Asylbewerber brachten ihre Kinder mit. Stühle mussten noch zusätzlich gestellt werden. Die Tische waren reich gedeckt, einladend, und mit Blumen geschmückt. Unser Ort zeigte sich von seiner besten Seite. Erst um 17.30 Uhr ging es los.

Bürgermeister Hans Lorenz begrüßte die Asylbewerber, die in den letzten Tagen ihr Quartier im “Hirsch” und im “Kirchberg” bezogen hatten – überwiegend aus Syrien, eine Familie aus Afghanistan und eine aus Serbien. Ein Dolmetscher, Herr Sardar Barmarni, übersetzte. Es sei vermerkt, dass die Rede des Bürgermeisters immer wieder durch spontanen Beifall unterbrochen wurde.

“Wir hoffen, dass Sie sich wohl fühlen in Dossenheim. Ich danke den Sozialarbeitern des Kreises, der Polizei und den Mitgliedern des Asylkreises, die alle zusammen mithelfen, Ihnen das Leben in Dossenheim angenehm zu machen. Ebenso freue ich mich, die hier anwesenden Dossenheimer Nachbarn aus dem Umfeld der beiden Unterkünfte begrüßen zu können, die Sie als neue Nachbarn willkommen heißen.

Etwa eine Million Menschen werden nach Deutschland kommen – das ist eine große Aufgabe für die Landkreise, für die Gemeinden und ihre Bewohner. Es wird nicht ohne Stress ablaufen, wir stehen vor einer Riesenherausforderung, deshalb danke ich allen für die wertvolle Arbeit, die Sie leisten.

Ich werde immer wieder nach Zuständigkeiten gefragt: Zunächst ist der Kreis für die Unterbringung zuständig. Alles, was darüber hinaus in Dossenheim geleistet wird, geschieht zusätzlich: ehrenamtlich und freiwillig. Wir haben in unsrem Ort drei Standorte: “Hirsch”, “Kirchberg” (mit jetzt insgesamt rund 100 Bewohnern) und den “Bären” (mit rund 80, die in den nächsten Tagen kommen werden).

Über 200 Ehrenamtliche haben sich in unserem Ort im Asylkreis in sechs Arbeitskreisen zusammen gefunden, um die neue zukünftige gemeinsame Lebenssituation zu gestalten. Für uns alle ist das eine große Herausforderung, deshalb danke ich an dieser Stelle auch der Gemeindeverwaltung und allen Beschäftigten. Es ist für mich ganz persönlich aber auch ein großes Anliegen, dass Sie hier in der Gemeinde gut ankommen.

Dass es im Ort auch Befürchtungen angesichts dieser neuen Situation gibt, das ist ganz normal, aber ich habe den Eindruck, dass diese Befürchtungen in den vergangenen Tagen kleiner geworden sind. Ich bitte Sie auch zu verstehen, dass manche Dinge etwas Zeit brauchen. Alles Notwendige werden wir in den nächsten Tagen in Angriff nehmen. Schon jetzt kann ich aber einiges zusagen: Nächste Woche wird der Deutschunterricht in der Volkshochschule beginnen. Ebenso wird eine Internetverbindung (WLAN) verfügbar sein. Die Kleiderkammer wird eröffnen. Jetzt noch fehlende Tische und Stühle werden wir besorgen. Am 9. November werden die Schulherbstferien zu Ende sein – dann beginnt für die neu hier lebenden Kinder die Schulzeit und auch der Aufenthalt im Kindergarten. Dann wird auch das zu gründende Sprach-Café im Gemeindehaus der Katholischen Kirche im Schlüsselweg eröffnet sein – ein neuer Treffpunkt in unserem Ort, um in lockerer Atmosphäre die deutsche Sprache zu erlernen und um sich ganz einfach näher kennenzulernen.”

Nun stellte der Bürgermeister alle sechs Arbeitskreise des Asylkreises vor: sowohl das Arbeitsfeld als auch namentlich die Ansprechpartner:

AK 1: Deutsch, Dolmetscher, Sprachen (Gisela Simo, Tim Welker)
AK 2: Angebote für Kinder und Jugendliche (Simone Angar)
AK 3: Verwaltung Sachspenden, Kleiderkammer (Brigitte Spieß-Bechtel, Fabiana Ruiz, Ute Hezer)
AK 4: Patenschaften, Alltagsbegleiter (Cathrin Dieckhoff, Christina Laufer)
AK 5: Projekte (Julius Ibes)
AK 6: Pflege des Umfeldes, Kontakte Nachbarschaft (Gerd Apfel, Belma von Tiedemann)

Danach bat Bürgermeister Lorenz die ehrenamtlichen Mitglieder des Steuer¬kreises (dessen Aufgabe es ist, alle notwendigen Aktivitäten zu organisieren), sich zu erheben: Sieglinde Dittmar-Loos, Fred Hermann, Anette Lindqvist, Rainer Loos, Jochen Matenaer. (Von der Verwaltung zu nennen wären hier neben Hans Lorenz und Thomas Schiller: Marc Miltner und Jürgen Stannek).

Hans Lorenz beendete nun seine Rede: “Wir alle wollen helfen. Wir werden regelmäßig zu diesen Treffen hier einladen. Abschließend danke ich allen Helferinnen und Helfern des heutigen Tage sowie allen Dolmetschern.”

Danach bedankte sich ein Asylbewerber in englischer Sprache bei all denen, die in den vergangenen Tagen zum Willkommen in unserer Gemeinde beigetragen haben. Als Dank überreichten die “neuen” Dossenheimer allen “alten” eine Rose – eine sehr schöne Geste.

Während all dieser Reden fanden laufend kleine Begegnungen zwischen den alten und neuen Bewohnern Dossenheims statt, nette Gesten zwischen Jung und Alt, mal in englisch, mal gestisch, die Atmosphäre war entspannt. Es waren so viele Menschen im Saal, dass der Eindruck entstand: Es findet ein ganz normales Treffen statt – fast vergisst man, was das besonders Neue an diesem Treffen ist.

Als nächstes informierte der Polizeikommissar Rainer Habitzreuther über Aufgaben und Funktion der hiesigen Polizei bzw. über “Normalitäten unseres Alltagslebens” (auch diese Hinweise wurden übersetzt):

“Für Dossenheim ist das Polizeirevier Handschuhsheim-Nord in der Furtwänglerstr. 11, 69121 Heidelberg, Tel. 06221/4569-0, zuständig. Bei Problemen sind wir Ihr Ansprechpartner. Es ist uns wichtig zu sagen: Deutschland ist ein sicheres Land für die hier lebenden Menschen. Wir wollen ein friedliches Miteinander für alle hier lebenden Menschen aus allen Ländern. Die Polizei ist zuständig für die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Wir setzen auf ein vertrauensvolles Verhalten. Wir scheuen uns aber auch nicht, unsere Maßnahmen konsequent durchzusetzen. Bitte merken Sie sich: In Notlagen rufen Sie bitte die Nummern 110 oder 112 an. Gehen Sie davon aus, dass der Angerufene deutsch oder englisch sprechen wird. Sage Sie genau, wo Sie sich befinden (Straße, Ort). Wenn Sie Ihr Quartier verlassen, dann schließen Sie bitte sorgsam die Tür – wir möchten nicht, dass Sie Opfer eines Diebstahls werden. Haben Sie immer Ihre Ausweispapiere bei sich, bewahren Sie diese bitte sorgsam auf. Lassen Sie sich nicht provozieren, gehen Sie Gewalt aus dem Wege. Wenn Sie eine Straße überqueren, achten Sie bitte auf die Ampel und nutzen Sie den markierten Fußgängerübergang, seien Sie ein Vorbild für Ihre Kinder. Gehen Sie mit Ihren Kindern auf die örtlichen Spielplätze, betreten Sie bitte nicht fremde Grundstücke. Wir wollen Sie nicht belehren, sondern Ihnen helfen! Wir wollen, dass wir alle gemeinsam hier sicher leben.”

Zum Abschluss sang ein junger Mann aus Syrien ein Lied – das war ein schöner neuer, ungewohnter Klang im Bergstraßendorf Dossenheim, der viel Beifall fand.

Erstes gemeinsames Treffen der ehrenamtlichen Helfer/innen und der Asylbewerber/innen