Der Saal im Martin-Luther-Haus war prall gefüllt, als die Verantwortlichen des Rhein-Neckar-Kreises zur Informationsveranstaltung über die Unterbringung von Flüchtlingen geladen hatten. Der Leiter des Ordnungsamtes, Stefan Becker sowie weitere Vertreter des Landratsamts Rhein-Neckar-Kreis informierten die Bürger umfassend über die Umnutzung der Hotels “Goldener Hirsch” und “Kirchberg” in eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge und Asylbewerber.

Die beiden Dossenheimer Hotels wurden bereits für zehn Jahre vom Rhein-Neckar-Kreis angemietet. „Mit den Eigentümern des Hotels “Bären” führen wir derzeit Verhandlungen“, bestätigte Karl Winkler, Referatsleiter vom Ordnungsamt des Rhein-Neckar-Kreises. Während man im „Goldenen Hirsch“ und im „Kirchberg“ jeweils 50 Menschen unterbringen würde, könnten im „Bären“ etwa 80 Flüchtlinge leben.

Die Verantwortlichen des Rhein-Neckar-Kreises Bürgerinnen und Bürger aus Dossenheim Bürgermeister Hans Lorenz und Fachbereichsleiter III, Thomas Schiller

Bereits bei den Ausführungen zum Aufnahmedruck, der Ausstattung und der Versorgung sowohl mit Dienstleistungen als auch mit Geld wurden die differenzierten Standpunkte der Zuhörer deutlich. Applaus oder vereinzelte Buhrufe erhielten die Redner.

Die Bürger hatten viele Fragen und Anmerkungen: Zu wenig Außengelände? Die Kinder sollen in Vereine aufgenommen werden, hieß es. Mülltrennung? „Das können sie vergessen“, so Becker. Christentum und Muslime? Mangelnde und verspätete Information wurden vorgehalten.

Doch es ging auch grob zu im Martin-Luther-Haus: Teilweise beleidigende Äußerungen fielen seitens der Fragesteller. Daraufhin wurden sie von einer Dame zurechtgewiesen: „Es reicht! Seien wir froh, im richtigen Land geboren zu sein.”

Und auch die Verantwortlichen des Rhein-Neckar-Kreises mussten sich völlig unverständlicher Weise rechtfertigen. „Wir machen keine Gesetze, wir machen keine Politik, wir nehmen nicht auf, wir schieben nicht ab.“ Das wollte Karl Winkler klarstellen. Man setze nur bestehende Gesetze um. Und das bedeutet, dass es in Dossenheim in sechs bis acht Wochen losgehen kann. Und auch Bürgermeister Hans Lorenz und Fachbereichsleiter III, Thomas Schiller, schüttelten bei so mancher Bemerkung aus dem Saal den Kopf.

Dennoch waren sich beide nach der Informationsveranstaltung einig: „Wir schaffen das. Die Dossenheimer Bürger werden helfen.“

aus: Gemeinde Nachrichten vom 07.08.2015 (mc)

In sechs bis acht Wochen kann es losgehen